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Der Große Kurfürst an der Peene
Nachdem Freidrich Wilhelm von Brandenburg die Schweden am 18.06.1675 bei
Fehrbelin geschlagen hatte, rückte er weiter auf Pommern zu, und besetzte bis 1678 ganz Pommern. Im Zuge dieses
Krieges gegen die Schweden in Pommern, gelangte der Große Kurfürst auch nach Gützkow. Anhand des
Auszuges der Schrift "Das Tagebuch Dietrich Sigismund von Buchs (1674-1683)", welche 1904 in Leipzig
von Dr. Ferdinand Hirsch herausgegeben wurde, sollen die Ereignisse aus Gützkow und der Umgebung aus diesen
Tagen wiedergegeben werden.
"Oct. 1675
Am folgenden Tage, dem ersten des Monats October brachen wir vor Tage auf, um die Übergänge zu recognisciren,
von denen der erste bei der Stadt und Schloß Stolpe lag, hier hatte der Feind auf der anderen Seite eine
Schanze aufgeworfen, welche wir recognoscierten, ohne das der Feind uns entdeckte, nachdem wir noch einen anderen
Uebergang untersucht wo er neu 3 oder 4 Pferde Wachen hatte. Von da recognoscierten wird den Uebergang bei Rinen
(Lage nicht bekannt), wo er einem Wehrhause eine Fußwache am anderen Ufer des Flusses hatte, hier fielen
einige Schuß auf beiden Seiten ohne großen Erfolg. Von recognoscirten wir den Übergang von Gützkow,
wo der Feind eine kleine Schanze, nahe dem Fährhause am Rande des Flusses, welcher dicht auf unserer Seite
fließt, angelegt hatten.
Sonnabend den 2ten.
Wir recognoscirten dies kleine Fort, man beschoß uns scharf mit Musketen, aber ohne Erfolg, obgleich mehrer
Kugeln sehr nahe bei S.K.D. einschlugen. (S.K.D. = Seine Kurfürstliche Durchlaucht) Wir gingen von hier gegen
Jarmen, wo wir einen Uebergang fanden, welcher mir noch am leichtesten zu passieren schien, wir hörten mehrere
Kanonenschüsse und Gewehrfeuer, ohne zu wissen , wo es war.
Am folgenden Tage den 3ten,
recognoscirten wir zur Linken von Jarmen, und von dort zurückkehrend, erhielten wir Kanonenfeuer, indessen
ohne das Jemand verwundet wurde.
Montag, den 4ten.
Nachdem wir mehre Laufbrücken geschlagen, um die Infanterie übergehen zu lassen, geschlagen und eine
große für die Cavallerie, sind wir um 4 Uhr abends in Feldschow (Völschow) aufgebrochen, und haben
unsere Truppen gegen das Dorf Netschow (Neetzow) vorrücken lassen. Bei Getschower (Gützkower) Fähre
ließen wir unsere ganze Infanterie lagern, auch einen Teil unserer Cavallerie und die Dragoner Derffling
unter Genaral-Lieunt. Görtzky rechts von Stolpe das Fort attakirte, welches jenseits der Peene liegt. Der
Oberst-Lieut. Grumbkow ging links gegen Jarmen mit seinen Dragonern, um hier gleichzeitig mit uns, dir wir Getschower
Fähr attakirte,anzugreifen, jeder hatte 2, 3-pfündige Kanonen mit sich. Es war Befehl gegeben um 2 Uhr
vor Sonnenaufgang bei Mondschein anzugreifen, aber die schlechten Weg hinderten die Ankunft mit den Geschützen
und Brücken vor Morgens 8 Uhr. S.K.D schlief auf Stroh, das wir ihm zubereiteten.
Dienstag, den 5ten.
S.K.D. sandte mich morgens 3 Uhr nach Feldschow zurück, I.K.D. (Ihre Kurfürstl. Durchlaucht) die Kurfürstin
geleiten, welche ich auf dem Wege vor Feldschow traf. In Kletzow angekommen blieben daselbst bis 9 Uhr morgens.
Als nun alles zusammen war begannen wir den Angriff, beschossen uns gegenseitig mit Geschütz, schossen das
Fährhaus mit glühenden Kugeln in Brand und ließen gleichzeitig unsere Laufbrücken vorrücken.
Die Feinde verließen das Fährhaus, welches die Unseren, unter Befehl des Capitain Huet und des jungen
Grafen Theodor v. Dohna Capitain im Regiment seines Vaters, sogleich besetzten. Als der Feind dies sah, verfehlte
er nicht von einer anderen Batterie, welche entfernt lag, mehr Geschütz kommen zu lassen, mit diesem beschoß
er unsere Schanze aber ohne Schaden zu thun, als wir indeß unsere Geschütze placirt und einige Kugeln
in ihre Truppen gesendet und deren einige getödtet hatten, zogen sie sich schnell zurück, und überließen
uns den Uebergang gänzlich. Es war ein sehr übles Defilé, welches wir nicht so leichten Kaufes
erhalten durften, denn wir verloren nur 7 bis 8 Mann, in Allem verwundet und getödtet. ...
Am 7ten.
Nachdem wir die große Brücke vollendet war überschritten wir die Peine, unser Hauptquartier zu
Gutzschow nehmend, wo der Feind das seinige auch hatte. Man sandte diesen Tag Besatzung nach Loitze. Am 21sten
Brachen wir von Gutzchow auf mit unserer ganzen Infanterie, Artillerie, 4 Regimenter Cavallerie und den Derfflingerschen
Dragonern um Wolgast zu belagern, in der Gutschower Fährschanze den Major Clawitz vom Regiment Fargel mit
300 Mann lassend. Donnerstag den 4ten Nov. ... Heut erhielten wir Nachricht, dass unsere Fouragiere, welche in
einem Dorf jenseits des Flusses geblieben waren, die Brücke nicht passieren konnten, da sie gebrochen sei,
wir glaubten sie schon durch den Feind, welcher das Fort von Gutzkow angegriffen hatte, gefangen, dennoch entkamen
sie ohne Verlust, wirklich wiurden sie angegriffen, schlugen eine Wagenburg mit ihrem Wagen und hielten den Angriff
des Feindes eine gute Stunde aus, worauf der Feind sich veranlasst sah, sie zu verlassen, mehr als 18 Todte auf
dem Platze lassend.
(Den 6ten von Wolgast zurück nach Gützkow. 6./8. S.K.D. wegen Gicht bettlägerig in Gützkow.)
Dienstag den 9ten.
Indem man sah, daß das Wetter anhaltend schlecht und rau blieb und die Krankheiten sich so heftig in der
Armee verbreiteten, eine Folge der Jahreszeit und des Mangels, beschloß man Winterquartier zu nehmen. Der
General-Major Schack mit der kaiserlichen Infanterie maschirte schon am Vortage und passirte die Brücke von
Gutschow. Es war Befehl gegeben, das die Armee morgen übergehen sollte, wir ließen heut auch schon unsere
Artellerie die Brücke passieren, wie auch unsere Bagage.
Mittwoch den 10ten
... Wir brachen ungefähr um 10 Uhr morgens auf, gingen über unsre Brücke bei Gutschow und kamen
auf sehr schlechtem Wege zur Nacht nach Dabricow (Daberkow)."
Entnommen dem Heft "Heimatgeschichte Gützkow und Umgebung" Heft 1/1989, Seite 42 - 45
Eine Kurzbiographie von Friedrich Wilhelm, dem Großem Kurfürst,
finden Sie im Internet unter folgender Adresse: http://www.uni-paderborn.de/Admin/corona/chris/FriedrichI_1.html
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