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Slawische Zeit in Gützkow
Nachdem um 400 n.Chr. die germanischen Stämme im Zuge der Völkerwanderung
ihre früheren Wohnsitze verließen, wurde diese Gebiete zum größten Teil menschenleer. Dies
geschah auch in der Umgebung Gützkow. Hier siedelten sich dann im Laufe des 6. und 7 Jh. slawische Volksgruppen
an. Man kann annehmen das sich im Gützkower Raum Slawen aus dem Lutizenbund ansiedelten, die genaue Stammeszugehörigkeit
(Redarier oder Cirzipaner) ist wissenschaftlich noch umstritten. Wie ihre Vorgänger betrieben auch sie Ackerbau,
Viehzucht, Fischfang und Imkerei.
Die Slawen siedelten sich hauptsächlich auf frühere Wohnplätzen der Germanen an. So wurden z.B.
in Upatel neben slawischen Funden, auch viele Funde aus germanischer Zeit gemacht.
Gützkow wurde zu der Zeit ein bedeutendes Herrschaftszentrum und weitbekannte Tempelstätte. Dies lag
zum einem an seiner günstigen natürlichen Lage, da es sich um eine gut übersehbare und verteidigungsfähige
Stelle handelte. So wurde der Schloßberg zu einem Fürstensitz ausgebaut.
Zum anderen lag es aber auch an seiner verkehrspolitischen Lage. Einerseits lag Gützkow an der Peene, welche
für die damaligen Schiffahrtsverhältnisse vollkommen genügte. Andererseits verliefen in der Nähe
Gützkows die alten Verkehrsstraßen Pommerns (Stralsund - Loitz - Treptow, Stralsund - Wolgast - Anklam
- Kavelpaß), welche hier durch die Querstraße Wolgast - Loitz verbunden waren. Die Via Regia (Königsstraße
- Bedeutung analog heutiger Bundesstraße) von Hamburg nach Stettin schnitt ebenfalls dieses Gebiet.
Für die damalige Bedeutung Gützkows spricht auch der bereits erwähnte Tempel. Über seine genaue
Lage gibt es keine genauen Nachrichten. Man nimmt jedoch an das er auf dem Stadtberg stand, an der Stelle der heutigen
evangelischen Kirche oder an der Fürstenburg auf dem Schlossberg. Ebenso wenig ist etwas über sein Aussehen
bekannt. Die Chronisten, welche Otto von Bamberg auf seiner Missionsreise durch Pommern begleiteten, beschrieben
ihn als "von großer Zierde und bewundernswerte Kunstfertigkeit". Man kann jedoch annehmen das er
den Tempelanlagen Arkonas und Groß Raden glich.

All diese Bedingungen bildeten die Voraussetzung für die Herausbildung
eines größeren Fürstensitzes mit dem Hauptort Gützkow. Dieses Fürstentum erstreckte sich
auf dem Gebiet zwischen Peene, Ryck und Ziese.
Zu Beginn des 12Jh. kam es zu politischen Veränderungen in Vorpommern.
So hatte sich östlich der Oder ein Herzogtum unter Wartislaw I. herausgebildet und das Fürstentum Rügen
versuchte seine Festlandbesitzungen auszuweiten. Diesen doppelten Ansturm war das Fürstentum Gützkow
nicht gewachsen, so dass unter den Einfluss von Herzog Wartislaw kam. Aus dem Fürstentum wurde eine Kastellanei,
wobei hier als Kastellan Mitzlaw genannt wird. Trotz des Verlustes der Selbständigkeit seiner Unabhängigkeit,
wird Fürst Mitzlaw als mächtiger Adliger erwähnt.
1930 bis 1934 wird in mehreren Ausgrabungen am Schlossberg die slawische Fürstenburg und die vorstädtische
Siedlung Gützkow freigelegt.

Auch die nachfolgende Grafenburg wird freigelegt, aber durch Besitzer Ramien
werden alle Steine (700 m³) der Fundamente herausgebrochen und damit fast alle Belege beseitigt.

Die Grabungen sind sehr erfolgreich und bringen Tausende von wichtigen Funden.
Auch die 1999 erfolgte Sanierung erbrachte noch rund 3000 Funde aus slawischer und 1000 aus frühdeutscher
Zeit.

| Bezeichnung : |
Fundbeispiel: 1 = Frühwendisch, 2 = Mittelwendisch, 3 = Spätwendisch,
4 = Frühdeutsch, 5 = Neolitisch-Trichterbecherkultur |
Um Gützkow herum sind mindestens 7 bäuerliche Ansiedlungen archäologisch nachgewiesen, wie das Dorf
Cosenow und Swinrowe (Dörpstell), letzteres mit 1000 Funden. Alle Fundgebiete sind bereits seit der frühwendischen
Zeit (600 - 800) und natürlich bis zur spätwendischen Zeit (1000 - 1200) belegt.
Bildmaterial bereitgestellt von Wolf-Dietrich Paulsen
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