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1815 bis 1945
Auf dem Wiener Kongreß 1815 erhielt Preußen auch das restlichen
Pommern, und mit ihm auch Gützkow. In der Neueinteilung des ehemaligen schwedischen Besitzes in Kreise gehörte
Gützkow zum Kreis Greifswald. Die Städte behielten dabei bis 1848 ihre eigene Gerichtsbarkeit und Verfassungen
bei. Erst mit der 1853 in Kraft tretenden Städteverfassung Neuvorpommerns, wurde die Verwaltung mehr und mehr
an die alten preußischen Reglements angepaßt. Das hieß für Gützkow, daß die Angelegenheiten
des Bürgermeisters, dem Magistrat und dem bürgerschaftlichen Kollegium geordnet wurden.
Trotz dieser Neuordnungen war Gützkow keine ruhig Zeit beschieden. In dem Revolutionsjahr 1848 kam es auch
in Gützkow zum Aufruhr. Bürgermeister war zu dieser Zeit Wuthenow (Mann der Heimatdichterin Alwine Wuthenow).
Er wurde am 22. April 1848 von einer aufgebrachten Menge abgesetzt worden, nachdem er in seiner Funktion als Stadtrichter
veranlaßt hatte, das der Arbeiter Borgwardt zur Verbüßung einer Gefängnisstrafe verhaftet
werden sollte. Nach der Absetzung des Bürgermeisters und des Magistrats schickten sowohl die Aufständischen
als auch einige besonnene Bürger eine Delegation nach Berlin. Daraufhin wurde das Kreisgericht in Greifswald
damit beauftragt, wieder für Ruhe und Ordnung in Gützkow zu sorgen. Das Kreisgericht schickte nun den
Kreisgerichtsdirektor Schnitter mit einem Schreiber am 27. April nach Gützkow. Hier wurden er von der Bevölkerung
verhöhnt und im Rathaus sogar festgehalten. Nur durch seine Flucht konnte er sich retten. Kurze Zeit darauf
zog er mit einer Abteilung Landwehr am 7. Mai in der Nacht wieder in Gützkow ein. Es wurden zunächst
16, durch Wuthenow benannt, Personen festgenommen. Sie sollten am nächsten Tag nach Greifswald abgeführt
werden. Dabei kam es wiederum zu Unruhen, in deren Zuge mehrere Leichtverletzte gab. Nachdem sich durch Zufall
ein Schuß aus dem Gewehr eines Landwehrmannes löste, ging die Abführung ohne weiterer Probleme
von statten. In der sich anschließenden Gerichtsverhandlung über die Aufrührer, wurden alle Anschuldigungen
gegen den Bürgermeister und den Magistrat fallengelassen. Sie zogen wieder ins Rathaus ein, die Aufrührer
rettete ein Gnadengesuch vor Strafe.
Trotz der Unzufriedenheit eines Teiles der Einwohner Gützkows, kam nach 1815 zu einem wirtschaftlichen Aufschwung.
So bestanden im Jahre 1861 11 Innungen in Gützkow, z.B. der Maurer, Schmiede oder Tischler, wobei die Innung
der Weber eine der stärksten war. Sie hatte 23 Webstühle in Betrieb. Auch im Handel machte Gützkow
von sich reden. Der Gützkower Pferdemarkt war in der ganzen Umgebung bekannt.
Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs nahm die Einwohnerzahl ständig zu. Im Jahre 1816 belief sich auf
997 Einwohner, 1831 waren es bereits 1222 und 1864 1992 Einwohner. Durch das ansteigen der Einwohnerzahl nahm auch
das Schulwesen in Gützkow zu. Nach 1800 war die zweite Schulklasse derart angewachsen, das der Kantor sie
nicht mehr allein unterrichten konnte. Seine Tochter mußte als Schulgehilfin in der dritten Klasse unterstützen.
Nachdem 1830 die St. Nikolaikirche eine Orgel erhielt, mußte ein Organist angestellt werden. Kirche und Stadt
einigten sich dabei darauf, das ein Lehrer 1831 angestellt wurde, welcher auch das Amt als Organist übernahm.
Er wurde dabei von der Kirchgemeinde und Stadt besoldetet. Im Jahre 1849 wiederholte sich dieser Vorgang nach dem
Tod des Küsters. 1849 waren somit alle 4 Lehrerstellen mit der Kirche verbunden. Am 23. Oktober 1835 wurde
dann auch der Bau des neuen Schulhauses eingeweiht, nachdem die vier Klassen nicht mehr in Privaträumen unterrichtet
werden konnten.
In jener Zeit wurden durch Stadtverwaltung aber Fehlbeschlüsse gefaßt. So wurde die Berührung der
Stadt Gützkow durch die 1863 gebaute Eisenbahnlinie Stralsund - Greifswald - Stettin, aus nicht nachvollziehbaren
Gründen abgelehnt. Auch beim Bau der späteren Kleinbahn Greifswald - Stettin verhielt man sich ähnlich.
Auch gegen die Industrie verhielt man sich ablehnend, so das die Zuckerfabrik in Jarmen gebaut wurde. Durch diese
Fehlentscheidungen kam es Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem Stillstand, und Gützkow wurde zu einem verträumten
Landstädtchen. Nur durch die zahlreichen Innungen und Verbände mit ihrer häufig stattfindenden Vereinsfeste,
ist es zu verdanken das Gützkow nicht ganz in Vergessenheit geriet, da sie immer wieder zahlreiche Gäste
anlockte.
Der 1. Weltkrieg rief Gützkow dann wieder in das Weltgeschehen hinein. Ebenso wie alle anderen Teile Deutschlands,
hatte auch Gützkow an den Nöten dieses Krieges zu tragen. So lieferte die Kirchengemeinde die mittlere
und kleine Glocke ab. Aus der Gemeinde Gützkow fielen in diesem Krieg 108 Menschen. Ihnen zu Ehren wurde an
einer ruhigen Stelle des Hasenberges ein Mahnmal errichtet.
Gützkow hatte an den sich anschließenden Auswirkungen des Ersten Weltkrieges genauso schwer zu tragen,
wie das gesamte Deutsche Reich. Der Niedergang der Wirtschaft verschlimmerte sich von Jahr zu Jahr. Die Zahl der
Arbeitslosen erreichten zwischenzeitlich 200 (etwa 10% der Gesamtbev.). Durch diese hohen Arbeitslosenzahlen ließ
die Kaufkraft der Einwohner nach, was sich dann wieder negativ auf den Handel auswirkte. Auch in der Landwirtschaft
der Umgebung wurden immer mehr Menschen entlassen, was dazu führte das viele ehemals in der Landwirtschaft
Beschäftigte nach Gützkow zogen, in der Hoffnung dort Arbeit zu finden. Dies führte zu einem akuten
Wohnungsmangel in Gützkow. Auch durch Neubauten wurden nur wenig neue Wohnungen geschaffen. So kam es zwar
in den Jahren zwischen 1919 und 1932 zu 68 Neubauten, es wurden aber nur 92 neue Wohnungen geschaffen. Auch durch
die Eingemeindung des Gutsbezirks Wieck-Vargatz 1929 wurde der Wohnraummangel nicht beseitigt. Durch diese Eingemeindung
traten eher neue Schwierigkeiten auf, da ebenfalls die Schule Wiecks mit eingemeindet wurde. Die damit verbundene
Lehrerstelle wurde jedoch nicht übernommen. Die Lehrerstellen in Gützkow waren seit 1865 zwar auf acht
Stellen erhöht worden, genügend aber für die neue Schülerzahl nicht aus (in jeder Klasse wurden
nun über 60 Kinder unterrichtet). Auch der Umbau des Schlosses im Gützkower Park zur Schule, konnte über
diesen Lehrermangel nicht hinweghelfen. Im Gegenteil, die Stadtverwaltung baute, trotz Einspruch der Eltern, eine
weitere Lehrerstelle ab.
Ebenso wie die Wirtschaft und Kultur der Stadt veränderte sich auch das politische Leben in Gützkow.
Zwar waren die Verhältnisse zwischen rechten und linken Parteien fast gleichmäßig verteilt, doch
zeigte sich besonders bei den Gemeindewahlen, wie sehr sich die einzelnen Berufsstände gegenseitig bekämpften.
Mit Zunahme der wirtschaftlichen Schwierigkeiten schlossen sich immer mehr Bewohner rechte Parteien an (nach Angaben
des Stadtarchives Greifswald gehörten 1945 251 Bürger der NSDAP oder anderer rechter Organisationen an).
So kam es im November 1927 zur ersten Versammlung der NSDAP in Gützkow. Im Zuge davon verhärteten sich
die Auseinandersetzungen zwischen linker und rechter Parteien immer mehr, das es häufig zu Straßen und
Saalschlachten kam, welche nicht immer unblutig ausgingen. Niemand ahnte jedoch zu der Zeit, wohin dieser Weg führen
würde.
Im Zweiten Weltkrieg fielen, nach Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern, 194 Männer aus Gützkow.
Nicht mitgezählt sind dabei die vermißten, welche nicht mehr aus dem Krieg heimgekehrt.
Der Krieg endete für Gützkow am 29. April 1945. Um 21.00 Uhr erreichten russische Panzer den Ort. Doch
auch hier gab es immer noch Menschen die an den propagandierten Endsieg glaubten. Ein Feldwebel verletzte 15 russische
Soldaten, einer starb an den Folgen seiner Verletzung, nachdem er mit seiner Panzerfaust auf den ersten Panzer
schoß. Aber auch dies konnte den Einmarsch in Gützkow nicht aufhalten.

Kapelle im Gützkower Park
(Photo by Ronny Zitzow)
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