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Unter den drei Kronen
Gützkow in der Zeit von 1618 bis 1815
Wie weit Gützkow im vom 30-jährigen Krieg im einzelnen betroffen
wurde läßt sich nicht genau nachweisen. Die Stadt und sein Umland wird jedoch in der selben Weise davon
betroffen gewesen sein, wie der übrige Teil Pommerns.
Nach dem Einmarsch Wallensteinscher Truppen in Pommern im Jahre 1627, hatten besonders kleinere Städte unter
Einquartierungen und Erpressungen zu leiden. Gützkow ist hier keine Ausnahme gewesen. Aus diesen Grund lieh
sich der Magistrat der Stadt Gützkow auch 150 Taler von der Gützkower Kirche, und verpfändete dafür
eine Wiese. Die vom Krieg hervorgerufene wirtschaftliche Not äußert sich auch dadurch, daß die
Kirchenpächter 1633 4 Jahre mit ihrer Pacht im Rückstand waren. Für die Jahre 1630 und 1631 wurde
ihnen die Pacht von der Kirche erlassen, die Restschuld konnte in vier Raten nachgezahlt werden.
Mit Bogislaw XIV. starb 1637 das pommersche Herrscherhaus aus. Da Schweden bereits nach der Landung König
Gustav Adolf auf der Insel Usedom im Jahre 1630 die Verwaltung Pommerns übernommen hatte, erhielt es im Westfälischen
Frieden von 1648 Vorpommern sowie die Inseln Usedom, Wollin, die Stadt Stettin und einen Landstreifen östlich
der Oder. Hinterpommern fiel an Brandenburg. Gützkow wurde somit schwedisch. Die schwedische Königin
Christine bestätigte im Jahre 1653, der Stadt ihre bisherigen Privilegien. Der ehemals gräfliche und
späterer herzogliche Besitz in Gützkow, wie der Schloßberg, die Fähre und die Wassermühle,
ging in schwedischen Staatseigentum über.
Brandburg wollte sich mit dem Ergebnis des Westfälischen Friedens nicht abfinden, da sie Erbansprüche
auf Pommern hatten. Im Zuge dieser Streitigkeiten kam es zum Krieg zwischen Brandenburg und Schweden. Auch Gützkow
wurde von den neuen Kriegswirren nicht verschont. Jahre 1675 eroberte der Große Kurfürst ganz Vorpommern
von Schweden zurück. Im Oktober 1675 kam es zu Kämpfen an der Gützkower Fähre, da die Brandenburger
hier die Peene überqueren wollten. Am 7. Oktober richteten die Brandenburger in Gützkow ihr Hauptquartier
ein. Hier erholte sich der Große Kurfürst dann auch vom 6. bis 8. November von einem Gichtanfall. Durch
den Einspruch Frankreichs mußte Brandenburg Vorpommern wieder an Schweden herausgeben.
Nach dem Frieden zwischen Schweden und Preußen im Jahre 1720 erhielt Brandenburg die Gebiete Pommerns südlich
der Peene. Gützkow wurde somit Grenzstadt mit einer Zollstation an der Gützkower Fähre. Diese Zollstation
wurde mit einem Paßschreiber besetzt.
Durch diese Kriegswirren sank die Einwohnerzahl Gützkows stark. Im Jahre 1687 wurde nur noch 104 Einwohner
in Gützkow gezählt. Aber auch wirtschaftlich war Gützkow und sein Umland stark geschädigt worden.
1697 gab es auf dem Gut Wieck vor Gützkow nur noch 2 Bauern und 2 Kosseten. Alle anderen waren gelegt worden.
Die durch die schwedischen Behörden durchgeführten Vermessungen, weisen das Gützkower Stadtgebiet
1694 mit einer Ausdehnung von 1143 ha aus. Die Ausdehnung des Schulzenhofes wird mit 180 pommerschen Morgen und
90 pommerschen Ruten angegeben.
Neben den Kriegswirren hatten die Gützkower Bewohner auch durch mehrere Stadtbrände zwischen den Jahren
1691 und 1693 zu leiden. Das größte Unglück brachte Gützkow aber das Jahr 1729. In der Nacht
vom 19. zum 20. Juli brannte die gesamte Stadt nieder. Um den abgebrannten Bewohnern zu helfen fand eine Sammlung
in Pommern statt. Eine Haussammlung in Stralsund erbrachte dabei ein Summe von 276 Reichstalern, welche unter den
Einwohnern und der Kirche aufgeteilt wurden. Trotz dieser Sammlung brauchte es aber einige Zeit bis wieder alle
Einwohner eine Unterkunft hatten. In dieser Zeit wurde auch die Kirche wieder neu errichtet und erhielt ihr heutiges
Aussehen. Über das Aussehen der Stadt vor und nach dem Brand gibt es keine Darstellungen. Die Darstellung
auf der Lubinschen Karte von 1618 ist zu ungenau, um Rückschlüsse zu erlauben. Man kann jedoch durch
gelegentliche Bemerkungen von der Stadt folgendes Bild machen. Um die Kirche herum lag bis 1809 der Friedhof. Im
Jahre 1809 wurde ein neuer Friedhof außerhalb des Ortes angelegt. Auch die eingepfarrten Dörfer bekamen
nun ihren eigenen Friedhof. Neben den Begräbnisse auf dem Friedhof waren auch Begräbnisse in der Kirche
gestattet. Dies kam jedoch wegen den hohen Kosten nur selten vor. Nach 1800 fanden jedoch keine Beisetzungen mehr
in der Kirche statt. Gützkow besaß zur damaligen Zeit auch noch zwei Stadttore. Das sogenannte "Hohe
Tor" wird erstmals 1618 erwähnt, daß "Das Tor bei den Mühlen" wird 1733 erwähnt.
Abschließend kann man sagen, daß die Stadt während der schwedischen Herrschaft in der Bedeutung
zu einem Provinzstädtchen wurde. Da die Herrschaft jedoch durch Milde und Nachsichtigkeit gekennzeichnet war,
griff sie nicht in das öffentliche und private Leben der Bewohner ein. Dies führte auch dazu das bereits
1767 wieder 572 Menschen in Gützkow wohnten. Es heißt nicht umsonst aus der Zeit "Unter den drei
Kronen läßt sich gut wohnen".

St. Nicolaikirche vom
Alten Markt gesehen
(Photo by Ronny Zitzow)
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